Wer wir sind, welche Werte uns wichtig sind

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die hauptberuflich oder ehrenamtlich in der Wohnungslosenhilfe in München mitarbeiten. Wir unterstützen wohnungslose, von Wohnungslosigkeit bedrohte und ehemals wohnungslose Menschen. Unsere Projekte fördern ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und befähigen sie, ihren Alltag weitestgehend selbst zu gestalten.

Wir respektieren das Recht jedes Menschen auf Selbstbestimmung. Deshalb bieten wir Hilfe zur Selbsthilfe an und begegnen unseren Klienten und Klientinnen stets auf Augenhöhe.

Unsere Vision ist die einer unterstützenden Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt oder vernachlässigt wird.

Wir sind ein bunt zusammen gewürfelter Haufen Menschen, die sich aus den verschiedenen Bereichen der Wohnungslosenhilfe kennen. Die gemeinsame Vision, das Leben von Obdachlosen zu verbessern vereint und inspiriert uns

 

"Empathie, Demut und Respekt"

Ein Interview mit Michèle Péron, Gründerin des Vereins.

 

Michèle Péron, 62, arbeitet bereits seit über 34 Jahren ehrenamtlich in der Münchner Wohnungslosenhilfe. „In-Wo“ ist ihr Herzensprojekt, in das ihre ganze Erfahrung aus ihren Tätigkeiten auf der Strasse,  in der „Teestube Komm“, als gesetzliche Betreuerin, mit dem Projekt „mit dabei“ und mit dem Wärmebus des Evangelischen Hilfswerks  einfließen. 

 

Michèle, es gibt ja viele Optionen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Warum ausgerechnet Obdachlose? Wie kamst Du darauf, damals, als Französin in München?

Purer Zufall.

Damals, 1991, war ich Hobby-Fotografin. Ich wollte die Welt verstehen und zeigen. Ich entdeckte die Wittelsbacherbrücke und ihre Bewohner*innen. Ich habe sie regelmäßig besucht und fotografiert.  Bald wollte ich nicht mehr mit leeren Händen kommen und brachte Kaffee mit. 

Mit der Zeit entstand Vertrauen. Die Obdachlosen fragten mich: "Wie beantrage ich zum Beispiel Sozialhilfe? Ich wusste die Antwort nicht, aber ich habe sie gesucht. Nach ein paar Monaten wurde die Kamera zum Hindernis. Ich wollte nicht nur Zeuge sein, ich wollte dabei sein. Bis 2013 war ich jeden Sonntag auf der Straße, besuchte „meine“ Obdachlosen im Knast, im Krankenhaus, motivierte sie, Hilfe anzunehmen. Es wurde langsam immer mehr. 

 

Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Dich darin bestärkt hat, Dich genau für diese Gruppe einzusetzen?

Nein. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich diese Menschen sehr mag. Sie sind echt, sie sind mutig, sie sind Lebenskünstler. Und es wird ihnen nicht gerecht, sie  nur als  hilfsbedürftig zu betrachten.  Ich war einmal zu Besuch in einem Krankenhaus, ein Obdachloser hatte einen Schlaganfall. Ich habe ihn zusammen mit seinem Freund besucht, der auch obdachlos war. Ich war einfach beeindruckt, wie er damit umgegangen ist, dass sein Freund nicht mehr sprechen konnte. Er hatte keine Berührungsängste, konnte gleichzeitig lustig und einfühlsam sein.  Aus dieser Überzeugung heraus ist übrigens das Projekt „mit.dabei“ entstanden.

Wohnungslose Menschen haben leider keine Lobby, im Gegenteil. Vielleicht ist das mein politischer Beitrag: mich für die Menschen einzusetzen, die am meisten ausgegrenzt werden, denn niemand hat es verdient, unter einer Brücke zu schlafen und an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Niemand sucht sich seine Krankheiten aus. Viele Menschen landen auf der Straße, weil sie psychisch krank sind. Unfair oder?

Was ist das Schöne an dieser Arbeit?

Die Menschen, die man trifft.  Sie haben mich und mein Leben geprägt. Ich habe viel gelernt, Demut, aber auch Hoffnung, ich habe Menschen kennengelernt, die sehr zäh und mutig sind, die mit wenig zufrieden sind.  Werner zum Beispiel hat jahrelang unter der Brücke gelebt. Irgendwann konnte er in eine eigene Wohnung ziehen. Ich erinnere mich an einen grauen Sonntag, wir sprachen über den Tod. Ich habe ihn gefragt, ob er jetzt sterben will. Er antwortete mit einem wunderbaren Lächeln: „Nein, ich könnte etwas Schönes verpassen.“ Das hat mich sehr beeindruckt. Er hat mich sehr beeindruckt.

Was ist das Schwierige?

Die Rahmenbedingungen sind schwierig, viel Bürokratie, kein Wohnraum und immer mehr Menschen, die auf der Straße leben und schwer psychisch krank sind.

Als Betreuerin trage ich viel Verantwortung. Das ist manchmal schwer zu tragen, wenn die notwendige Unterstützung des Hilfesystems fehlt.

Was hat Dich motiviert, über so viele Jahre immer neue Aufgaben im Bereich der Obdachlosenhilfe zu übernehmen?

Ich liebe es, neue Ideen zu entwickeln, neue Projekte zu konzipieren und umzusetzen.  Ich überlege gern, wie ich Institutionen und Menschen überzeugen kann.

Das ist ein politischer Akt. 

Ich habe Glück im Leben gehabt, und es ist meine Aufgabe, etwas von diesem Glück zurückzugeben.

Welches war Dein schönstes Erlebnis?

Schwierige Frage, weil es mehrere gab: den ersten erfolgreichen Ausflug mit „mit.dabei“; die Tatsache, dass ich dazu beigetragen hatte, dass ein obdachloser Mann eine Alkoholtherapie gemacht hat und danach ein normales Leben führen konnte (mit Wohnung, Arbeit und Freundin), dass eine Dame mit einer schweren psychischen Erkrankung nach einem Krankenhausaufenthalt eine eigene Wohnung beziehen konnte.

Es gab aber auch die „kleineren Erlebnisse“, die wunderbaren Begegnungen (siehe oben Werner’s Geschichte)

Manchmal möchte man das Beste, trifft aber Menschen, die sich nicht helfen lassen wollen. Wie gehst Du damit um?

Ich kann nur Wege aufzeigen. Solange die Menschen frei entscheiden können, sollen sie selbst bestimmen, ob sie diesen Weg gehen wollen oder nicht. Ich persönlich lasse mir ja auch nicht vorschreiben, wie ich mein Leben zu führen habe und was ich an mich ändern soll.

Was ist wichtig für Menschen, die sich ebenfalls in der Obdachlosenhilfe engagieren wollen? Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, und welche Einstellung?

Geduld, Demut, Empathie, Humor.  Augenhöhe, denn das ist es, was wohnungslose Menschen brauchen. 

Statements weiterer Gründungsmitglieder

Udo Eckhardt
 

Ich stehe für eine Gesellschaft in der keiner ausgeschlossen werden soll.

Marie - Luise Lewicki

Ich wünsche mir eine Welt, in der Unterschiedlichkeit als Bereicherung betrachtet wird statt als Problem.

Marijana Galic´

 

Ich stehe für eine lebensbejahende, soziale und kulturelle Integration und Inklusion.

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